Innendämmung im Altbau: Wann sie sinnvoll ist und worauf du achten musst

Innendämmung ist oft die einzige Option bei denkmalgeschützten Fassaden. Welche Materialien funktionieren, was sie kostet und wo die Risiken liegen.

Die Außenwand dämmen – das wäre ideal. Aber was, wenn das nicht geht? Bei denkmalgeschützten Fassaden, Grenzbebauung oder wenn du nur eine Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus hast, bleibt oft nur die Innendämmung. Und die hat zu Unrecht einen schlechten Ruf.

Richtig gemacht, senkt eine Innendämmung die Heizkosten um 10–25 % und verbessert das Raumklima spürbar. Falsch gemacht, entsteht Schimmel. Dieser Artikel zeigt dir, worauf es ankommt.

Wann Innendämmung die richtige Wahl ist

Innendämmung ist keine Notlösung, sondern eine bewusste Entscheidung in diesen Fällen:

  • Denkmalschutz: Die Fassade darf nicht verändert werden
  • Grenzbebauung: Kein Platz für eine Außendämmung (Nachbargrenze, Gehweg)
  • Eigentumswohnung: Du kannst nur deine eigene Wohnung dämmen, nicht die Fassade
  • Teilsanierung: Einzelne besonders kalte Räume verbessern (z.B. Nordzimmer)
  • Fachwerk: Viele Fachwerkhäuser vertragen keine Außendämmung

Die 4 wichtigsten Dämmsysteme für innen

1. Kalziumsilikatplatten

Das Premiumsystem für Innendämmung. Kalziumsilikat ist kapillaraktiv – es kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Dadurch reguliert es das Raumklima und beugt Schimmel aktiv vor.

EigenschaftWert
DämmwirkungMittel (WLG 060–065)
Kosten80–120 €/m² (inkl. Einbau)
Stärke5–8 cm üblich
SchimmelresistenzSehr hoch (pH-Wert 10+)

2. Holzfaserplatten

Ökologisch und kapillaraktiv. Holzfaser hat gute Dämmeigenschaften und einen hervorragenden sommerlichen Wärmeschutz – dein Zimmer heizt sich im Sommer weniger auf.

EigenschaftWert
DämmwirkungGut (WLG 040–045)
Kosten60–100 €/m² (inkl. Einbau)
Stärke4–8 cm üblich
ÖkobilanzSehr gut

3. Mineraldämmplatten

Ähnlich wie Kalziumsilikat, aber günstiger. Gute Feuchteregulierung, mineralischer Baustoff, nicht brennbar.

EigenschaftWert
DämmwirkungMittel bis gut (WLG 042–050)
Kosten50–80 €/m² (inkl. Einbau)
Stärke4–8 cm
BrandschutzA1 (nicht brennbar)

4. Polyurethan-Verbundplatten (PIR/PUR)

Das effizienteste System, wenn der Platz knapp ist. Mit nur 3 cm Stärke erreichst du eine Dämmwirkung, für die Kalziumsilikat 8 cm braucht. Nachteil: Nicht kapillaraktiv, braucht eine Dampfbremse.

EigenschaftWert
DämmwirkungSehr gut (WLG 023–026)
Kosten50–90 €/m² (inkl. Einbau)
Stärke2–4 cm reichen oft
DampfbremseZwingend erforderlich

Das größte Risiko: Tauwasser hinter der Dämmung

Warme Raumluft enthält Feuchtigkeit. Wenn diese Luft durch die Dämmung an die kalte Außenwand gelangt, kondensiert das Wasser – und dann hast du Schimmel.

Die Lösung hängt vom System ab:

  • Kapillaraktive Systeme (Kalziumsilikat, Holzfaser, Mineraldämmplatte): Die Feuchtigkeit wird aufgenommen, verteilt und über die Raumseite wieder abgegeben. Keine separate Dampfbremse nötig – aber die Platten müssen vollflächig an die Wand geklebt werden, ohne Hohlräume.
  • Nicht kapillaraktive Systeme (PUR/PIR, XPS): Eine Dampfbremse auf der Raumseite verhindert, dass Feuchtigkeit in die Konstruktion eindringt. Alle Anschlüsse müssen luftdicht sein.

5 typische Fehler bei der Innendämmung

  1. Hohlräume hinter den Platten: Dort sammelt sich Feuchtigkeit. Immer vollflächig verkleben.
  2. Wärmebrücken an Einbindungen: Innenwände und Decken, die in die Außenwand einbinden, müssen mit Dämmkeilen versehen werden.
  3. Dampfbremse vergessen: Bei nicht kapillaraktiven Systemen ein fataler Fehler.
  4. Zu dicke Dämmung: Klingt paradox, aber bei Innendämmung gilt: Die Außenwand muss noch genug Wärme von innen bekommen, damit sie nicht durchfeuchtet. Maximal 8 cm sind die Faustregel.
  5. Keine Berechnung: Jeder Aufbau sollte mit einem Energieberater hygrothermisch berechnet werden (Glaser-Verfahren oder besser: WUFI-Simulation).

Kosten und Förderung

Die Kosten für Innendämmung liegen je nach System bei 50 bis 120 Euro pro m² inklusive Material und Handwerker. Für ein typisches Zimmer mit 12 m² Außenwandfläche also 600 bis 1.440 Euro.

Förderung: Innendämmung wird als Einzelmaßnahme über die BAFA gefördert – mit 15 % Zuschuss, bei vorhandenem Sanierungsfahrplan sogar 20 %. Voraussetzung: Ein U-Wert von maximal 0,25 W/(m²K) muss erreicht werden.

Fazit: Innendämmung funktioniert – mit dem richtigen System

Innendämmung ist kein Kompromiss, sondern eine seriöse Lösung, wenn die Außendämmung nicht möglich ist. Der Schlüssel liegt in der richtigen Materialwahl und der sauberen Ausführung ohne Hohlräume und Wärmebrücken.

Lass einen Energieberater den passenden Aufbau berechnen und beauftrage einen Handwerker mit Erfahrung bei Innendämmung. Dann profitierst du von niedrigeren Heizkosten und einem besseren Raumklima – ohne Schimmelrisiko.