Elektroinstallation sanieren: Kosten & Wann ist es Pflicht?
Alte Elektrik ist eine Brandgefahr. Wann muss die Installation erneuert werden, was kostet es und welche Förderung gibt es? Alle Antworten hier.
Flackernde Lampen, herausfliegende Sicherungen oder Steckdosen, die nur mit Wackelkontakt funktionieren – alte Elektroinstallationen sind nicht nur nervig, sondern richtig gefährlich. Defekte Elektrik ist eine der häufigsten Brandursachen in deutschen Wohnhäusern. Trotzdem wird die Sanierung der Elektroinstallation oft aufgeschoben, weil sie unsichtbar in der Wand steckt und keine offensichtlichen Schäden zeigt.
In diesem Ratgeber erfährst du, woran du erkennst, dass deine Elektrik sanierungsbedürftig ist, was die Erneuerung kostet und wann sie sogar Pflicht ist.
Woran erkennst du, dass die Elektrik veraltet ist?
Eindeutige Warnsignale
- Sicherungen fliegen regelmäßig raus: Die alten Leitungen sind für den heutigen Strombedarf nicht ausgelegt.
- Steckdosen werden warm: Ein klares Zeichen für überlastete oder beschädigte Leitungen.
- Brummende Geräusche im Sicherungskasten: Deutet auf lose Verbindungen oder defekte Bauteile hin.
- Alte Schraubsicherungen statt Automaten: Schraubsicherungen sind ein Zeichen dafür, dass der Verteiler aus den 60er oder 70er Jahren stammt.
- Keine FI-Schalter vorhanden: Fehlerstromschutzschalter (RCDs) sind in modernen Installationen Pflicht. Fehlen sie, ist die Anlage veraltet.
- Aluminium-Leitungen: In der DDR und auch in Westdeutschland wurden bis in die 70er Jahre teilweise Aluminiumleitungen verbaut. Diese sind heute ein Sicherheitsrisiko.
- Zu wenig Steckdosen: Wenn du überall Mehrfachstecker und Verlängerungskabel brauchst, ist die Installation nicht mehr zeitgemäß.
Der E-Check
Wenn du unsicher bist, lass einen E-Check durchführen. Ein zugelassener Elektrofachbetrieb prüft deine gesamte Installation und erstellt ein Prüfprotokoll. Die Kosten liegen bei 100 bis 300 Euro, je nach Größe der Wohnung – eine lohnende Investition.
Wann ist die Erneuerung Pflicht?
Grundsätzlich gibt es in Deutschland keine generelle Pflicht, die Elektroinstallation nach einer bestimmten Anzahl von Jahren zu erneuern. Aber es gibt Situationen, in denen du handeln musst:
Gesetzliche Vorgaben
- Bei einem Eigentümerwechsel: Versicherungen können bei alten Installationen höhere Prämien verlangen oder den Schutz einschränken.
- Bei einer Kernsanierung: Wenn du ohnehin Wände öffnest, müssen die Leitungen dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.
- Vermieter-Pflicht: Als Vermieter bist du für die Sicherheit der Elektroanlage verantwortlich. Kommt es zu einem Schaden durch veraltete Elektrik, haftest du.
- Versicherungsschutz: Manche Gebäudeversicherungen verlangen einen aktuellen E-Check. Ohne diesen kann der Versicherungsschutz im Schadensfall entfallen.
Normen und Richtlinien
Die aktuelle Norm für Elektroinstallationen in Wohngebäuden ist die DIN 18015-2. Sie legt fest, wie viele Stromkreise, Steckdosen und Lichtanschlüsse ein Raum mindestens haben sollte. Außerdem gibt es bei Baugenehmigungen bestimmte Anforderungen an die Elektrik, wenn du umfangreicher sanierst.
Was kostet die Erneuerung der Elektroinstallation?
Die Kosten hängen von der Größe des Gebäudes, dem Umfang der Arbeiten und dem regionalen Lohnniveau ab.
Kostenübersicht
| Leistung | Kosten (ca.) |
|---|---|
| E-Check (Bestandsaufnahme) | 100 – 300 € |
| Sicherungskasten erneuern | 800 – 2.500 € |
| Neue Leitungen (pro Raum) | 600 – 1.500 € |
| Steckdosen und Schalter (pro Stück) | 30 – 80 € |
| FI-Schalter nachrüsten | 150 – 300 € |
| Komplettsanierung EFH (120 qm) | 8.000 – 15.000 € |
| Komplettsanierung Wohnung (80 qm) | 5.000 – 10.000 € |
Was beeinflusst den Preis?
- Aufputz oder Unterputz: Unterputzinstallation ist teurer, weil Schlitze gestemmt und wieder verputzt werden müssen. Aufputzinstallation mit Kabelkanälen ist günstiger, sieht aber nicht so gut aus.
- Altbau vs. Neubau: Im Altbau sind die Wände oft aus unterschiedlichen Materialien – das macht das Schlitzen aufwendiger.
- Smart-Home-Vorbereitung: Wer für die Zukunft planen will, lässt gleich Leerrohre und zusätzliche Leitungen verlegen. Kostet etwas mehr, spart aber spätere Umbauarbeiten.
Was genau wird bei einer Elektrosanierung gemacht?
1. Bestandsaufnahme und Planung
Der Elektriker prüft die vorhandene Installation und plant die neue Anlage. Dabei wird festgelegt, wo wie viele Steckdosen, Lichtanschlüsse und Stromkreise hinkommen.
Empfehlung nach DIN 18015-2 (Mindestausstattung):
- Wohnzimmer: 5 Steckdosen, 1 TV-Anschluss, 1 Lichtauslass
- Küche: 6 Steckdosen (davon 3 über der Arbeitsplatte), Herdanschluss
- Bad: 2 Steckdosen, Waschmaschinenanschluss, 1 Lichtauslass
- Schlafzimmer: 4 Steckdosen, 1 Lichtauslass
2. Alte Leitungen entfernen
Die alten Leitungen werden aus den Wänden gezogen und der Sicherungskasten demontiert. Achtung: Das Haus ist in dieser Phase stromlos – plane eine Überbrückungslösung ein.
3. Neue Leitungen verlegen
Neue Kupferleitungen mit ausreichendem Querschnitt werden in die Wände gelegt. In modernen Installationen werden oft Leerrohre mitgeführt, durch die später ohne Wandarbeiten neue Kabel gezogen werden können.
4. Sicherungskasten installieren
Ein neuer Verteiler mit Leitungsschutzschaltern (LS) und Fehlerstromschutzschaltern (FI/RCD) wird montiert. Je nach Gebäudegröße kann der Verteiler 2 bis 4 Reihen umfassen.
5. Steckdosen, Schalter und Leuchten anschließen
Zum Schluss werden alle Endgeräte angeschlossen und die Anlage wird in Betrieb genommen. Der Elektriker misst alle Stromkreise durch und erstellt ein Prüfprotokoll.
Elektrosanierung: Das darfst du selbst machen – und das nicht
Hier gibt es klare Regeln: Arbeiten an der Elektroinstallation darf nur ein zugelassener Elektrofachbetrieb ausführen. Das ist in Deutschland gesetzlich geregelt (VDE-Vorschriften).
Was du selbst machen darfst:
- Schlitze in die Wand stemmen (nach Anweisung des Elektrikers)
- Schlitze nach der Verlegung wieder verputzen
- Abdeckungen und Rahmen von Schaltern und Steckdosen montieren
Was du nicht selbst machen darfst:
- Leitungen verlegen und anschließen
- Sicherungskasten installieren
- Steckdosen und Schalter verdrahten
- Leuchten an neue Leitungen anschließen
Auch wenn du handwerklich geschickt bist: Bei der Elektrik hört der Spaß auf. Fehler können tödlich sein.
Förderung für die Elektrosanierung
Direkte Förderprogramme speziell für die Elektrosanierung gibt es nicht. Aber: Wenn die Elektroerneuerung Teil einer umfassenden energetischen Sanierung ist (zum Beispiel in Verbindung mit einer Wärmepumpe oder Photovoltaik), kannst du über verschiedene KfW-Programme Zuschüsse oder zinsgünstige Kredite erhalten.
Einen Überblick über die Sanierungskosten pro Quadratmeter im Gesamtkontext findest du in unserem Kostenratgeber.
Elektrosanierung im Rahmen einer Gesamtsanierung
Die Elektrik sollte immer einer der ersten Schritte bei einer umfassenden Sanierung sein. Der Grund: Die Leitungen verschwinden in der Wand und müssen verlegt sein, bevor verputzt, gefliest oder gestrichen wird.
Idealerweise koordinierst du die Elektroarbeiten mit:
- Sanitärinstallation (Leitungen liegen oft in denselben Wänden)
- Putzarbeiten (nach dem Verlegen der Leitungen)
- Fußbodenheizung (Anschluss und Steuerung)
Tipps zum passenden Handwerker für Elektroarbeiten findest du in unserem separaten Ratgeber.
Fazit: Alte Elektrik ist kein Kavaliersdelikt
Eine veraltete Elektroinstallation ist eines der größten Sicherheitsrisiken im Eigenheim. Die gute Nachricht: Die Sanierung ist zwar nicht billig, aber überschaubar – und sie erhöht sowohl die Sicherheit als auch den Wert deiner Immobilie. Wenn du ohnehin eine Kernsanierung planst, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, die Elektrik gleich mitzunehmen. Ein E-Check als erster Schritt kostet wenig und gibt dir Klarheit über den tatsächlichen Zustand deiner Anlage.